Ein “bombiger” Tag


(Renate Schelling, Dußlingen – Leserbrief zum 19. Januar 2016 im Schwäbischen Tagblatt Tübingen)
Dienstag, 19. Januar – ein wahrhaft „bombiger” Tag im ÖPNV. Morgens bei minus zehn Grad in Dußlingen am Bahnsteig gebibbert. Bis die HZL mit fast 20 Minuten Verspätung einfährt, kann man immerhin zwischen zwei Entschuldigungen wählen: „Es wurden zusätzliche Wagen angehängt” und „Grund für die Verspätung sind Verspätungen aus vorangegangener Fahrt.” Aha.
In der gnadenlos überfüllten HZL gen Tübingen. In den verspäteten Zug haben sich auch alle hineingekämpft, die den nächsten Zug nehmen wollten. Ankunft in Tübingen, Anschluss nach Stuttgart weg. Der nächste Zug hat auch Verspätung, “weil noch Anschlussreisende aufzunehmen sind.” Die Durchsage überrascht nicht wirklich: „Grund dafür sind Verspätungen aus vorangegangener Fahrt.”
Am Abend bei der Rückfahrt von Stuttgart auch das noch: Entschärfung einer Fliegerbombe am Nordbahnhof. Nix geht mehr. Kein Zug, keine S-Bahn. Dauer ungewiss. Einziger Ausweg: Feinstaub-Alarm ade, mit dem Taxi zum Flughafen und von dort mit dem Bus nach Tübingen. Taxis sind jetzt sehr begehrt. Doch es findet sich ein Fahrer, der Gäste am Flughafen abholen muss.
Gegen 20 Uhr endlich Ankunft in Tübingen. Mein Mann holt mich ab — mit dem Auto, der nächste Zug fährt erst um 20.37 Uhr. Fazit: Das alles ist kein Anreiz zum Umsteigen auf den ÖPNV, sondern treibt genervte Pendler zum Auto zurück. Zudem kostet das „Abenteuer Bahn” auch noch richtig Geld: 34.20 Euro fürs Taxi und 6.80 Euro für den Bus — und das trotz DB-Monatskarte. Fortsetzung folgt — sicher.
Renate Schelling, Dußlingen


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