Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin


(Hermann G. Abmayr – KONTEXT, 25. 5. 2016)
Wenn Angela Merkel am 1. Juni bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels in die Kameras lächelt, müsste sie vor Scham im Boden versinken. Während die Schweiz den längsten Eisenbahntunnel der Welt gebaut hat, bleibt das Schienen-Nadelöhr Basel–Karlsruhe noch mindestens 20 Jahre bestehen.

“Weltweites Gelächter” über S 21
Angela Merkel lag bekanntlich ein anderes Milliardenprojekt in Baden-Württemberg mehr am Herzen: Stuttgart 21 und der Bau einer Schnellstrecke über die Schwäbische Alb nach Ulm. Ein Scheitern des Großprojekts würde “Deutschlands weltweitem Ruf als zuverlässiger Wirtschaftspartner” schaden, erklärte sie Anfang der 2010er-Jahre immer wieder. Jetzt blamiert sich das Land der Ingenieure tatsächlich weltweit.
Merkel blamiert sich auch in anderer Hinsicht: Während die Schweiz beim Gotthard den Scheitelpunkt der Eisenbahnstrecke viele Hundert Meter tiefer legt, investiert man in Deutschland viele Milliarden Euro, um Züge zwischen Stuttgart und Ulm zum Teil in langen Tunnelröhren 300 Meter höher klettern zu lassen, so Professor Wolfgang Hesse, der an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lehrt. Die Steigung der neuen Strecke über die Alb wird so groß sein, dass sie für den Einsatz von Güterzügen viel zu teuer sein wird. Hesse prophezeit dem “deutschen Zukunftsprojekt” Stuttgart 21 “ein weltweites homerisches Gelächter”. 


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Eine Antwort auf Ein Tunnel blamiert die Kanzlerin

  1. Jobst Knoblauch sagt:

    Unsere Politiker – egal welcher Couleur – sind beratungsresistente Faktenignoranten, die wider besseren Wissens die Milliarden zum Fenster hinauswerfen und sich dabei nicht schämen, in den Geldbeutel ihrer Wähler zu greifen. Wer findet denn endlich einmal heraus, mit wieviel Geld die Stuttgart21 Bau- und Immobilienmafia die Parteien geschmiert hat?

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