Unübersehbar ist …


(250ste Montagsdemo am 8.12.2014 in Stuttgart)
Rede von Volker Lösch
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Unübersehbarkeiten
Und mal ganz ehrlich, liebe Freundinnen und Freunde, wer glaubt denn hundertprozentig und ernsthaft daran, dass “S21″ in der vorgestellten Form jemals existent werden wird ?
“Kassandra Kuhn” sagt : Es ist unübersehbar, dass das Projekt beschlossen ist und kommt”.
Entschuldigung, lieber Herr “Umfaller” (den viele in Stuttgart unter anderem auch deswegen gewählt haben, damit “S21″ weiter infrage gestellt wird) – was ist denn daran “unübersehbar”? Dieses Kuhn’sche “unübersehbar” erinnert an Kretschmanns “der Käs is gesse” und Merkels “alternativlos” – unübersehbar ist in allen drei Fällen vor allem das bescheidene rhetorische Talent!
Wir zeigen hiermit, was wirklich unübersehbar ist:

  • Unübersehbar ist, dass Baumanager und Ingenieure, die um ihr berufliches Ansehen fürchten, einer nach dem anderen das Projekt verlassen, in leitender Funktion bisher 4 an der Zahl !
  • Unübersehbar ist, dass auch sonst niemand beruflich mit “S21″ identifiziert werden möchte !
  • Unübersehbar ist, dass der vereinbarte Kostenrahmen definitiv nicht einzuhalten ist !
  • Unübersehbar ist, dass die Erörterung zum Planfeststellungsabschnitt 1.3.(Filderbahnhof) in krasser Weise zeigt, dass die Deutsche Bahn AG das Projekt nicht im Griff hat !
  • Unübersehbar ist, dass es mit “S21″ keine Leistungsverbesserung geben wird !
  • Unübersehbar ist, dass noch immer kein akzeptables Brandschutz und Sicherheitskonzept für den Tiefbahnhof und den Fildertunnel existiert !
  • Unübersehbar ist, dass die Rechtmäßigkeit der Mischfinanzierung immer noch nicht geklärt ist !
  • Unübersehbar ist, dass der Tiefbahnhof immer noch das 6-fache der zulässigen Gleisneigung aufweist !
  • Unübersehbar ist, dass die Tunnelbohrmaschine in Möhrignen seit Monaten stillsteht !
  • Unübersehbar ist, dass die Hochtransportbänder am Charlottenplatz noch nie in Betrieb waren !
  • Unübersehbar ist, dass eine funktionierende Baustelle so einfach nicht aussieht !
  • Unübersehbar ist, dass der Mythos des “es gibt keinen Weg zurück” der einzige ist, der dieses Projekt noch vorantreibt !
  • Unübersehbar ist, dass der Ausstieg aus “Stuttgart 21″ immer noch möglich, machbar und zwingend erforderlich ist !
  • Und unübersehbar – und unüberhörbar – ist, dass wir weiterhin für diesen Ausstieg kämpfen werden !

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Eine Antwort auf Unübersehbar ist …

  1. p.c. sagt:

    Liebe Stuttgart21-Gegner und K21-Befürworter,
    manche Stuttgart 21-Gegner sind von der Rede des Berliner Theaterregisseurs Volker Lösch bei der 250. Montagsdemo begeistert. Ich nicht! Ich finde seine Beschimpfungen des Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn unpolitisch und unanständig. Es mag sein, dass einige Linke lieber einen strammen CDU-Mann wie Schuster als OB (oder einen Mappus als Ministerpräsidenten) hätten, gegen den sich leichter polemisieren liesse. Ich dagegen bin froh, dass wir einen OB Kuhn (und einen MP Kretschmann) haben, auch wenn ich nicht in allen Fragen – zum Beispiel zu S 21 – ihre Meinung teile.

    Lösch weiss offensichtlich nicht, dass im Stuttgarter Gemeinderat (und im baden-württembergischen Landtag) eine Zweidrittelmehrheit der Stadträte (Abgeordneten) für Stuttgart 21 ist. Diese Mehrheit wollen wir mit einem Bürgerentscheid überstimmen. Das ist kein Theaterstück, bei dem es darum geht, bei den Zuschauern mit starken Worten und Sprechchören möglichst viel Beifall zu holen. Es geht vielmehr um Politik, und da entscheidet, was manchen S 21-Gegnern vielleicht nicht passt, nicht eine Wahrheit, die Befürworter und Gegner für sich gleichermassen behaupten, sondern die Mehrheit, zum Beispiel bei einem Bürgerentscheid in Stuttgart über die Frage, ob die Stadt Stuttgart die Finanzierungsvereinbarungen über S 21 kündigen soll, weil die DB AG ihre Vertragspartner über die Kosten des Projekts getäuscht hat: “Storno 21”. Wer in solchen Auseinandersetzungen meint, es genüge, das Richtige zu wollen, um Mehrheiten müsse man sich nicht kümmern, hat ein seltsames Politikverständnis.

    Ich war in der Politik oft in der Minderheit – das ist manchmal bitter. Aber ich habe dafür gearbeitet, in Stuttgart, in meiner Partei der SPD und im Bundestag Mehrheiten für das zu überzeugen, was ich für richtig hielt. Das ist auch manchmal gelungen, aber nicht mit wilden Reden und Beschimpfungen, sondern mit guten Argumenten und mit Respekt vor den Andersdenkenden, die es zu überzeugen gilt. So soll es auch in Stuttgart sein. Ich verstehe und teile den Zorn und die Empörung über das Skandalprojekt S 21, und ich bin wütend über das Verhalten mancher S 21-Befürworter. Dennoch bitte ich als Vertrauensmann des Bürgerbegehrens “Storno 21” um breite Unterstützung für unsere gemeinsame Aufgabe, bei einem Bürgerentscheid “Storno 21” durch gute Argumente und freundlichen Umgang mit den BürgerInnen Stuttgarts eine Mehrheit für den Ausstieg Stuttgarts aus diesem Projekt zu gewinnen.

    Mit freundlichen Grüssen,
    Ihr/Euer Peter Conradi
    Mitglied des Bundestags 1972 bis 1998
    (SPD) Vertrauensmann des Bürgerbegehrens “Storno 21”


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