Güter gehören auf die Bahn!

In Sibirien
(Michael Kuntz – Süddeutsche Zeitung, 26.7.2013)   Die Deutsche Bahn ist ein kom­ple­xes Unternehmen. Da gibt es viele Möglichkeiten, von ihren eigentlichen Schwächen abzulenken. Die Kunst der Ablenkung beherrscht Bahn-Chef Rüdiger Grube schon fast wie sein legendärer Vorgänger, der auch für starke Sprüche berühmte Hartmut Mehdorn.

Das Problem ist, dass die Deutsche Bahn sich längst nicht mehr auf Züge beschränken will. Sie ist von einer Transportbehörde zum globalen Logistikkonzern mutiert, der zu Lande, zu Wasser und in der Luft agiert. Aber hohe Gewinne aus dem globalen Speditionsgeschäft zum Beispiel gibt es immer nur dann, wenn die Weltkonjunktur richtig boomt.

Sinkt die Nachfrage aus China, wachsen auch Brasilien, Russland und Indien nicht so kräftig wie gewohnt, dann kann das direkt auf die Bilanz der Deutschen Bahn durchschlagen. Genau so war es in der ersten Hälfte dieses Jahres. Da mag Vorstandschef Grube detailliert hohe Wasserstände, Personal- und Energiekosten anführen. Alles Ablenkung. Letztlich ist es die internationale Stra­te­gie der Bahn, die sich als krisenanfällig erweist.

Man kann den Bahn-Chef nicht oft genug daran erinnern: Dem Zugfahrer hier ist es egal, was die Spedition der Deutschen Bahn in Sibirien treibt. Er wartet auf die zigmal versprochenen neuen Züge und auf Ideen, wie sich Güterverkehr von überfüllten Straßen auf die Schienen holen lässt. In Deutschland.

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